Frankfurt liest ein Buch


am Dienstag, den 08. April, ist es wieder soweit: Lesung im Laden, ab 20:00 Uhr
Eckhart Hendscheid, Die Vollidioten - Bernd E. Fritz (Titanic) liest, der Autor ist dabei
Essen und Trinken gibt's ab 18:30
früh kommen - es wird voll

all das Vergangene - Rückblick

29. April 2010 - Hans Zürn las aus: Valentin Senger, Kaiserhofstraße 12


Frankfurt liest ein Buch – spät, aber irgendwann dann doch reiht sich die Welthauptstadt des Buchgeschäfts in die Reihe jener Städte ein, die sich für einige Wochen der Lektüre eines Buches verschreiben.

            Dafür dann - immerhin - auch gleich gut und richtig: was 

    liegt näher, als jenen Valentin Senger wieder zu entdecken, der

    mit „Kaiserhofstraße 12“ die Geschichte seiner Familie im 

    Frankfurt der Nazijahre im 1978 erstmals erschienenen

    gleichnamigen Buch schilderte. Genau beobachtend, präzise

    berichtend, den Leser in den Bann von Geschehenem und

   Geschildertem ziehend – „in diesem Buch erzählt ein

    Davongekommener von einem Wunder, ohne sich zu wundern“,

wie es Peter Härtling in der ihm eigenen Art auf den Punkt brachte.

            Es sind die dreißiger Jahre: In der Kaiserhofstraße in Frankfurt am Main leben Schauspieler, Transvestiten, Freudenmädchen, Burschenschaftler – und die Familie Senger. Als Kommunisten und Juden mussten sie aus dem zaristischen Russland fliehen und haben hier ein neues Zuhause gefunden – bis Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift. Valentin Sengers Mutter Olga erkennt früh den Ernst der Lage: Mit gefälschten Papieren verschleiert sie die Spuren ihrer Herkunft. Die Angst vorm Entdecktwerden aber begleitet die Familie von nun an täglich.  

Der junge Valentin Senger geht seinen eigenen Weg und erlebt die erste Liebe. Aber wie soll er ein Mädchen näher kennen lernen, ohne dabei das Überleben der ganzen Familie zu gefährden? Seine Mutter ist krank vor Sorge. Und doch wird die Familie mit Hilfe zahlreicher Freunde, Nachbarn, mutiger Behördenmitarbeiter und einer großen Portion Glück diese Schreckenszeit überleben.


            Hans Zürn, Frankfurts großer Volksschauspieler, wird uns überraschen mit seiner Auswahl für die Lesung – da dem Buch als ganzem von der Kritik die Spannung eines Kriminalromans bescheinigt wird, sind Vergnügen und Genuss für die Zuhörer gewährleistet.

 

            Hans Zürn, geboren 1936 in Frankfurt-Sossenheim (ein echter Frankfurter Bub!), absolvierte mit Abitur und Germanistikstudium die gute bürgerliche Bildungslaufbahn, bevor er als Regieassistent zum Theater fand. Sprech- und Gesangsausbildung schlossen sich an.

            Was und wo hat er alles gespielt im Lauf der Jahre. Den Woyzeck, den Mephisto, den Tartuffe, den Wladimir in „Warten auf Godot“ und, und, und....

            Eine Rolle hat er sich immer leidenschaftlich gewünscht, doch nie bekommen: Shakespeares „König Richard III.“ Mal „so richtig böse sein können“, das hätte ihn gereizt. Denn auf deutschen Bühnen vermisst er ein wenig „die Freude an der Bösartigkeit“. Sein Publikum liebt Hans Zürn aber vielleicht eher so wie er ist.

            Nachdem er 1979 zurück nach Frankfurt gekommen war, blieb er hier hängen. „Denn eigentlich bin ich ein ziemlich fauler Sack“, meint er mit drastischer Ehrlichkeit. In „Die fünf Frankfurter“, der Geschichte der Rothschilds, begann er damals als Fürst von Clausthal- Agordo und arbeitete sich danach durchs Stück hinauf bis zur Rolle des Samuel, als Krönung sozusagen, „in die ich alles rein gepackt habe, was rein ging“.

Ist er eitel? „Natürlich!“ Ist er abergläubisch? „Natürlich!“ Mit allen „Macken“ eines Schauspielers. Dass man zum Beispiel auf  der Bühne – außerhalb der Rolle - nicht essen darf, dass man nie pfeifen sollte, dass man dem Kollegen vor dem Auftritt über die Schulter spuckt.

            Auch im Fernsehen ist Hans Zürn immer wieder zu sehen: Die Serie „Ein Fall für zwei“ verdankt seinem Mitwirken immer wieder wunderbar- glaubwürdiges Frankfurter Lokalkolorit, und in „Der große Bellheim“ bestand er locker-lässig zusammen mit all den anderen Großen der deutschen Schauspielzunft. Der private Hans Zürn wohnt mitten in Frankfurt, verschmäht meist den Lift zu seiner im fünften Stock gelegenen Wohnung und steigt lieber die Treppen hoch.

            Wir alle freuen uns auf einen spannenden Abend mit Hans Zürn und der „Kaiserhofstraße 12“.

            Zum organisatorischen Teil: die Lesung selbst beginnt um 19:30 Uhr. Wer vorher richtig essen möchte, sollte bis 18:00 Uhr bei uns auflaufen. Ab 19:00 Uhr werden wir ein wenig räumen, um Michas in das bekannte Zimmertheater dort selbst zu verwandeln. Während der Lesung gibt es zu trinken, danach auch eine Kleinigkeit zu essen. Da wir nur um die 40 Plätze haben, ist eine Reservierung angeraten.

 


2011

Hans Zürn, Gabriele Seynsche, Axel Dielmann lasen aus

Abschaffel von Wilhelm Genazino  





Café Carl -

Lesung mit Gabriele Seynsche am 9. Oktober 2009

Der Herbst zieht seine wunderbaren Schatten und entschleunigt uns in wunderbarer Weise – begleitet uns auch auf dem Weg in ein geruhsames Jahresende und partizipiert von Michas
„Zimmertheater“ - einer Tradition, die auch schon 2008-2009 hochaufmerksam verfolgt und genossen/genutzt wurde.

Am Freitag, 9. Oktober 2009 wurde Michas Zimmertheater für die Saison 2009-2010 eröffnet.
Mit einer Lesung von Gabrile Seynsche, die das „Café Carl“ endlich einer großen Leserschaft
zugänglich gemacht hat!

„Café Carl“ - eine Liebeserklärung an Frankfurt, seine Bewohner, Protagonisten und „Säulenheiligen“ - ein Buch, das viele Zuhörer in Selbsterkenntnis schwelgen lässt, emontionale
Blutergüsse aufreisst und hochdramatisch – aber auch extrem witzig und authentisch ist.
Die Autorin war höchstpersönlich am Freitag 9. Oktober 2009 bei Michas, dazu gab es einen Begrüßungsschluck und natürlich Essen und Trinken.